Dämmergrau
Im Wald. Der Spätsommer hat noch einmal alles gegeben und wenn der graue November Einzug hält und die scheinbar nicht enden wollende trübe Jahreszeit den ersten Schritt Richtung Winter unternimmt, scheint die Welt ihre Farbe zu verlieren.
Grau. Dämmergrau. Die Tage wollen nicht vergehen im Dämmerlicht, die Sonne scheint keine Rolle mehr zu spielen. Das macht die Sache interessant. Das Versiegen des Tageslichtes zum Abend hin und der umgekehrte Wandel im Morgengrauen, wenn das Licht fadenscheinig zurückkehrt, eröffnet dem Grau ein wahres Farbenspiel an Tönen.
Alle Komplementärfarben gemischt, ergeben ein dunkles Grau. Das ist die Farbe, in der alle Farbtöne zusammenkommen. Man muss sie nur lesen/sehen können. Grau ist nicht leblos und auch Schatten haben immer eine Farbe. Jetzt im Wald zu sein, hat für mich einen besonderen Reiz. Oft melancholisch gestimmt und in Kontemplation versunken, sich in den meist menschenleeren, alten Wäldern durchs Derbholz zu schlagen, bereitet Vergnügen. Hin und wieder schickt die Sonne etwas Licht durch den Kronenschluss und kleine, aus Sonnenstrahlen geformte Lichtinseln gehen ihrer Arbeit nach. Golden wandert der Sonnenstrahl mit den Wolken auf dem Waldboden umher. Von Grau ist nichts zu spüren.
Manche Ecken sind düster und traurig, ja, aber von Einerlei keine Spur. Jede kleine Aue, jedes Fleckchen, jede Lichtung schält sich vor meinem Auge in ihrer eigenen Schattierung aus dem großen Dickicht heraus und behauptet sich gleichsam als Insel der Hoffnung in der formlosen Überforderung außerhalb des Waldes in der Realität.
Der letzte Winterwind ist Äste brechend durch die Schonungen und den Altwald gefahren und hat zerzausten und zerrauften Astbruch auf dem harschig werdenden Schnee hinterlassen. Zurück bleibt ein stillverschwiegener Wald. Allein das Stapfen auf dem Rückweg im schwindenden und frostig krachenden Schnee stört die Ruhe im Wald. Die Rückkehr nach Hause dann in Dunkelheit. Ein Seelenspektakel.


























